In seiner Arbeit Linguistik der Lüge betrachtet Weinrich (2000: 63-64) die Ironiesignale in ihrer Vielfältigkeit als Untersuchungsgegenstand der Linguistik und schreibt der Ironie das Potential bei, eine Verstellung und sogleich das Zeigen dieser Verstellung zu markieren. Aus diesem Kontrast besteht seit der Antike die Ironie: ironische Äußerungen sind aufrichtig und zugleich unaufrichtig. In einer pragmatischer Hinsicht wurde Ironie sowohl als substitutionelle Implikatur (Grice, Meibauer), wo ein Widerspruch zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten ersichtlich ist, als auch als additive Implikatur, weil sie keinen Ersatz, sondern einen Zusatz an Informationen erlaubt (Sperber, Wilson). In diesem Beitrag wird ein pragmatischer Ansatz benutzt, der auf folgenden Voraussetzungen stützt: i. Ironie ist keine Sprechhandlung an sich sondern ein Text innerhalb des Textes mit spezifischen kommunikativen Zielen; ii. Ironie wird auf der Textebene und nicht auf Satzebene analysiert; iii. der Sprecher markiert durch Ironie seine Stellungnahme zum besprochenen Thema. Deshalb wird Ironie methodisch nicht als sprachlichen Kontrast sondern als metadiskursive Funktion intendiert. Wir nennen diese Funktion kommentierendes Handeln. Unser Untersuchungsgegenstand ist das Auftreten der Ironie als kommentierendes Handeln in die Diskursart „wissenschaftlichen Vortrag“. Im Beitrag wird versucht, die Ironiesignale in authentischen Beispielen von mündlichen Wissenschaftstexten zu subsumieren und auf ihre Funktion im Text einzugehen. Folgende Fragestellungen lassen sich festhalten: - Welche Ironiesignale sind in wissenschaftlichen Vorträgen sichtbar? - In wie weit sind Realisierungsformen der Ironie als kommentierendes Handeln in wissenschaftlichen Beiträgen unterschiedlich von ironischen Äußerung in anderen Textsorten? - Wenn ironische Äußerungen eine Distanz des Sprechers vom Objekt seines Sprechens entschleiern, welches ist die Begründung des Sprechers bei der Benutzung der Ironie ? Die zu beweisenden Hypothesen sind wie folgt zusammenzufassen: i. die Ironie in w. B. ermöglicht dem Hörer, den Text zu entschlüsseln. Deshalb erfüllt sie eine kommunikativ-informative Funktion; ii. durch ironische Äußerungen wird ein Zusatz an Informationen über das Thema und die Stellungnahme des Sprechers zum Thema geliefert. In w. Texten erlaubt Ironie deshalb eine höhere Transparenz zur Diskussion (statt eine auf Widersprüchen basierten Zweideutigkeit zu verursachen); iii. Ironie ist oft mit abwertenden Formulierungen verbunden. In w.B. drückt sie keine subjektive Einschätzung aus, sondern sie gibt Ansporn für eine thematisch orientierte Argumentierung, die Bestandteil der hier analysierten Textsorte „wissenschaftlichen Beitrags“ ist.

Ironie als kommentierendes Handeln in wissenschaftlichen Beiträgen

Ricci Garotti, Federica
2016

Abstract

In seiner Arbeit Linguistik der Lüge betrachtet Weinrich (2000: 63-64) die Ironiesignale in ihrer Vielfältigkeit als Untersuchungsgegenstand der Linguistik und schreibt der Ironie das Potential bei, eine Verstellung und sogleich das Zeigen dieser Verstellung zu markieren. Aus diesem Kontrast besteht seit der Antike die Ironie: ironische Äußerungen sind aufrichtig und zugleich unaufrichtig. In einer pragmatischer Hinsicht wurde Ironie sowohl als substitutionelle Implikatur (Grice, Meibauer), wo ein Widerspruch zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten ersichtlich ist, als auch als additive Implikatur, weil sie keinen Ersatz, sondern einen Zusatz an Informationen erlaubt (Sperber, Wilson). In diesem Beitrag wird ein pragmatischer Ansatz benutzt, der auf folgenden Voraussetzungen stützt: i. Ironie ist keine Sprechhandlung an sich sondern ein Text innerhalb des Textes mit spezifischen kommunikativen Zielen; ii. Ironie wird auf der Textebene und nicht auf Satzebene analysiert; iii. der Sprecher markiert durch Ironie seine Stellungnahme zum besprochenen Thema. Deshalb wird Ironie methodisch nicht als sprachlichen Kontrast sondern als metadiskursive Funktion intendiert. Wir nennen diese Funktion kommentierendes Handeln. Unser Untersuchungsgegenstand ist das Auftreten der Ironie als kommentierendes Handeln in die Diskursart „wissenschaftlichen Vortrag“. Im Beitrag wird versucht, die Ironiesignale in authentischen Beispielen von mündlichen Wissenschaftstexten zu subsumieren und auf ihre Funktion im Text einzugehen. Folgende Fragestellungen lassen sich festhalten: - Welche Ironiesignale sind in wissenschaftlichen Vorträgen sichtbar? - In wie weit sind Realisierungsformen der Ironie als kommentierendes Handeln in wissenschaftlichen Beiträgen unterschiedlich von ironischen Äußerung in anderen Textsorten? - Wenn ironische Äußerungen eine Distanz des Sprechers vom Objekt seines Sprechens entschleiern, welches ist die Begründung des Sprechers bei der Benutzung der Ironie ? Die zu beweisenden Hypothesen sind wie folgt zusammenzufassen: i. die Ironie in w. B. ermöglicht dem Hörer, den Text zu entschlüsseln. Deshalb erfüllt sie eine kommunikativ-informative Funktion; ii. durch ironische Äußerungen wird ein Zusatz an Informationen über das Thema und die Stellungnahme des Sprechers zum Thema geliefert. In w. Texten erlaubt Ironie deshalb eine höhere Transparenz zur Diskussion (statt eine auf Widersprüchen basierten Zweideutigkeit zu verursachen); iii. Ironie ist oft mit abwertenden Formulierungen verbunden. In w.B. drückt sie keine subjektive Einschätzung aus, sondern sie gibt Ansporn für eine thematisch orientierte Argumentierung, die Bestandteil der hier analysierten Textsorte „wissenschaftlichen Beitrags“ ist.
Satire, Ironie, Parodie: Aspekte des Komischen in der deutschen Sprache und Literatur
Innsbruck
Innsbruck University Press
9783901064487
Ricci Garotti, Federica
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